Die Frühjahrs-Blitzerwoche vom 13. bis 19. April hat gezeigt: Auch hohe Spritpreise halten offenbar viele Autofahrer nicht davon ab, zu schnell zu fahren. In Bayern wurden allein während des "Speed Marathon" am 15. April mit 10.840 Personen erwischt – gut zehn Prozent mehr Raser als im Vorjahr (9832). Auch in Hessen war die Zahl der Temposünder fünfstellig: 10.248 Mal blitzte es. Für 103 Fahrer hieß es dort: demnächst zu Fuß gehen, weil ein Fahrverbot droht. In Thüringen registrierte die Polizei zeitgleich 3645 Raser.
Überraschend ist die hohe Zahl in allen drei Bundesländern auch deshalb, weil die Behörden Hunderte Messstellen bereits Tage zuvor bekannt gegeben hatten. Man hätte sich also informieren und entsprechend anpassen können. Viele haben das offenbar verpennt – oder es war ihnen egal. Besonders krass: der Fall eines 76-Jährigen in Detmold (NRW), der mit einem Honda-Motorrad in einer Tempo-30-Zone mit 74 km/h geblitzt wurde – ausgerechnet vor einer Schule. Auf den rücksichtslosen Biker kommen 400 Euro Bußgeld, zwei Punkte in Flensburg und ein Monat Fahrverbot zu.

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Den Tempo-Rekord stellte ein Autofahrer auf der Autobahn A8 nahe des oberbayerischen Gemeinde Valley auf: Dort gilt aus Lärmschutzgründen ein Limit von 100 km/h – der Raser wurde mit 240 Sachen gemessen. Die Folge: 700 Euro Bußgeld, zwei Punkte und ebenfalls ein Monat ohne Führerschein.
Kurios auch ein Fall in Bad Liebenstein im thüringischen Wartburgkreis: Ein Autofahrer passierte eine Messstelle zunächst mit korrekter Geschwindigkeit. Unmittelbar nach dem Ende des Tempolimits gab er jedoch Gas. Durch die starke Beschleunigung verlor er die Kontrolle, kam von der Fahrbahn ab, krachte gegen einen Baum und überschlug sich. Der Fahrer blieb zum Glück unverletzt.

Deutlich weniger Fälle in Schleswig-Holstein

Auch in Baden-Württemberg war die Zahl der dokumentierten Geschwindigkeitsübertretungen hoch: 14.831 Autofahrer tappten hier in die (Blitz-)Falle. In Sachsen zählte die Polizei 7876 Verfahren – in 29 Fällen fanden Beamte bei Kontrollen zudem Diebesgut im Auto. In Brandenburg wurden 1790 Tempoverstöße registriert, von denen 28 voraussichtlich in einem Fahrverbot münden.
Auffällig war ein starker Rückgang in Schleswig-Holstein gegenüber 2025: 14.224 Fälle registrierte die Polizei "zwischen den Meeren" – 6415 weniger als im Vorjahr. "Zu möglichen Gründen können noch keine Aussagen getroffen werden", so das Innenministerium.

Ich bin geblitzt worden – was nun?

Wenn alle Warnungen nichts nützten und man doch zu schnell war – was passiert danach?
Uwe Lenhart
Uwe Lenhart, Deutschlands bekanntester Verkehrsrechtsanwalt, gibt Tipps, wie man sich nach einem Blitzvorfall verhalten sollte.
Bild: Ben Lenhart
Antworten auf bange Fragen von Verkehrsrechtsanwalt Uwe Lenhart aus Frankfurt:
  • Ab welcher Toleranz sind Blitzer "scharf"? In den meisten Bundesländern gilt bei Geschwindigkeitsmessungen eine Toleranz von etwa 5 km/h. Die konkrete Handhabung liegt jedoch im Ermessen der Behörden. An Unfallschwerpunkten oder besonders schutzwürdigen Orten wie Schulen oder Seniorenheimen kann auch strenger kontrolliert werden.
  • Darf direkt hinter einem Schild geblitzt werden? Ja. Eine Geschwindigkeitsbegrenzung gilt unmittelbar ab dem die Geschwindigkeit einschränkenden Verkehrsschild bis zu deren Aufhebung. Viele Bundesländer empfehlen Mindestabstände zwischen 75 Metern (z. B. Berlin) und 250 Metern (z. B. Mecklenburg-Vorpommern). In Baden-Württemberg gibt es keine feste Abstandsregelung. Selbst bei Verstößen bleibt die Messung meist verwertbar, ein regelmäßig verwirktes Fahrverbot kann jedoch entfallen.
  • Ich bin geblitzt worden – wie geht es weiter? Entweder erfolgt ein Anhalten vor Ort oder die Bußgeldstelle verschickt einen Anhörungsbogen an den Fahrzeughalter. Ist dieser erkennbar nicht der Fahrer, wird häufig ein Zeugenfragebogen verschickt. Bleiben Antworten aus, ermittelt die Polizei, z. B. durch Befragung oder Fotoabgleich. Ist der Fahrer identifiziert, folgt ein Bußgeldbescheid, gegen den innerhalb von zwei Wochen Einspruch eingelegt werden kann. Eine Pflicht, mit der Polizei zu sprechen oder die Tür zu öffnen, besteht nicht.
  • Einen anderen Fahrer angeben – sinnvoll? Wer wissentlich eine falsche Person beschuldigt, begeht eine strafbare falsche Verdächtigung (Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren). Der tatsächliche Fahrer darf sich jedoch selbst melden und den Verstoß zugeben – das ist bisher (noch) rechtlich zulässig.
  • Ab wann droht ein Fahrverbot? Ein Fahrverbot droht in der Regel bei Überschreitungen von 31 km/h innerorts, 41 km/h außerorts und 26 km/h, wenn bereits innerhalb eines Jahres ein ähnlicher Verstoß vorlag. Bei mehrfachen Verstößen kann ein Fahrverbot auch schon ab 21 km/h in Betracht kommen.
Super-Blitzer in Hamburg
Wenn die Radarmessung erfolgt ist, läuft die Uhr: Bis zu drei Monate dürfen ins Land gehen, bis die Ordnungswidrigkeit verjährt ist.
Bild: DPA
  • Wie lässt sich ein Fahrverbot vermeiden? In besonderen Härtefällen kann ein Fahrverbot entfallen, etwa wenn der Arbeitsplatz gefährdet wäre, Selbständige existenziell betroffen wären oder zwingende persönliche Gründe vorliegen (z. B. notwendige Arztbesuche oder Pflege von Angehörigen). Häufig wird dann aber die Geldbuße erhöht.
  • Kann ich den Zeitpunkt der Führerscheinabgabe selbst bestimmen? Wenn in den letzten zwei Jahren kein Fahrverbot verhängt wurde, kann man das Fahrverbot innerhalb von vier Monaten nach Rechtskraft antreten. Durch einen Einspruch kann sich der Zeitpunkt der Rechtskraft unter Umständen hinauszögern.
  • Ich bin auf dem Blitzerfoto schlecht zu erkennen – was bedeutet das? Die Behörde muss darlegen können, dass der Betroffene eindeutig identifiziert werden kann. Maßgeblich sind erkennbare Merkmale wie Gesichtsform, Augen, Nase, Frisur oder besondere Kennzeichen. Bei schlechter Bildqualität steigen die Anforderungen an die Begründung.
  • Wie lange hat die Behörde Zeit für den Anhörungsbogen? Entscheidend ist die behördliche Verfügung der Anhörung. Nach dieser muss in der Regel innerhalb von drei Monaten ein Bußgeldbescheid ergehen, der anschließend zugestellt wird.

Wird es 2026 eine weitere Blitzerwoche geben?

Raser, Polizisten und Messgeräte haben jetzt eine Atempause, doch nicht für lange: Die europäische Verkehrspolizei-Organisation Roadpol hat bereits eine weitere Phase intensiver Kontrollen in diesem Jahr geplant. Die zweite „Speed Week“ wird vom 3. bis 9. August stattfinden. In den meisten Bundesländern sind in dieser Zeit die Sommerferien.

Warum die Verkehrszeichenerkennung nicht immer hilft

Was kann man als Autofahrer tun, wenn die Speed-Week naht? Der beste Trick: Angepasst fahren und dabei auf die Beschilderung achten. Denn die Verkehrszeichenerkennung im Auto arbeitet nicht zu 100 Prozent korrekt – und im Zweifel wird die Ausrede, im Display habe kein Tempolimit gestanden, nicht anerkannt.
Achtung: Wer sich per Blitzer-App gegen Radarfallen absichern will, handelt rechtswidrig (auch der Beifahrer-Trick hat ausgedient). Diese Apps nützen beim Blitzermarathon ohnehin nichts, weil die Radarfallen erst kurzfristig oder gar nicht bekannt gegeben werden. Bei der Speed Week halten fast alle teilnehmenden Bundesländer die Positionen der Radarfallen geheim! Ausnahmen: Bayern, Hessen und Thüringen.

Diese Bundesländer nahmen beim Speedmarathon am 15. April 2026 teil

Diese Bundesländer nahmen beim Speedmarathon am 15. April 2026 teil
Baden-Württemberg
Bayern
Messstellen hier
Berlin
vor Schulen und Altenheimen
Brandenburg
außerhalb geschlossener Ortschaften
Bremen
"sensible Zonen", etwa vor Kitas, Schulen und Altenheimen
Hessen
Messstellen hier
Mecklenburg-Vorpommern
Orte mit großer Unfallhäufigkeit
Rheinland-Pfalz
Landstraßen und Autobahnen
Sachsen-Anhalt
Thüringen
Messstellen hier
Hier die Liste der Bundesländer, die in der gesamten Blitzerwoche im April dabei waren:
  • Baden-Württemberg: Die Kontrollwoche endete in Baden-Württemberg am Freitag, 17. April. Auch am Höhepunkt des Speedmarathons, dem 15. April, nahm die Polizei vom Ländle teil. Im Vorfeld wurden allerdings keine Messpunkte bekannt gegeben.
  • Berlin: Hier wurde die ganze Woche (13. bis 19. April) intensiv geblitzt. Beim Blitzermarathon am 15. April steigerte sich auch in der Hauptstadt die Aktivität der Tempomessung. Blitzer-Positionen wurden nicht veröffentlicht – die insgesamt 203 Kontrollorte befanden sich schwerpunktmäßig vor Schulen und Altenheimen, teilte die Polizei mit. Es wurden 6732 Verstöße registriert, bei der Gelegenheit erwischten die Beamten 22 Fahrer ohne gültige Fahrerlaubnis.
  • Brandenburg: Die Polizei Brandenburg beteiligte sich an der Aktionswoche sowie am Speedmarathon am 15. April 2026. Der Fokus lag auf der Geschwindigkeitsüberwachung auf Straßen außerhalb geschlossener Ortschaften. Die Kontrollpunkte blieben geheim.
  • Bremen: Der Stadtstaat nahm an der Aktionswoche teil und beteiligte sich ebenfalls am Marathon am 15. April. Kontrollpunkte wurden im Vorfeld nicht veröffentlicht. Ein Augenmerk lag auf "sensiblen Zonen", etwa vor Schulen und Kitas oder vor Einrichtungen für Senioren. 3578 Tempoverstöße dokumentierte die Polizei im Stadtstaat.
  • Hessen: In Hessen wurde nur am 15. April verstärkt geblitzt. Zwischen 6 Uhr und 22 Uhr an diesem Tag landesweit verstärkt Geschwindigkeitsmessungen statt. Die Messstellen in Hessen sind online hier abrufbar. Aber: Es gab auch unangekündigte Kontrollen!
  • Hamburg: Der Stadtstaat ging einen Sonderweg – denn der Marathon fand nicht wie zuvor angekündigt am Mittwoch, sondern am folgenden Donnerstag statt. Das wurde auch vorher nicht bekannt gegeben. So viel dürfen wir verraten: Dieser Tag ist noch nicht gekommen! Jedenfalls wird dann mit Laserpistole, Video-Messwagen, mobilen Geschwindigkeitsanhängern und stationären Blitzern Jagd auf Raser gemacht.
  • Niedersachsen: Die Polizei Niedersachsen nahm an der Blitzerwoche teil. Am 15. April, dem Blitzermarathon, wurden die Kontrollen nicht intensiviert und Messpunkte auch zuvor nicht veröffentlicht. Dennoch war die Ausbeute beträchtlich: 8503 Übertretungen wurden gemessen. Das ist eine hohe Steigerung gegenüber rund 5400 im Jahr 2025 – aber damals gab es auch weniger als halb so viele Kontrollen.
Polizeikontrolle Blitzer
Die Polizei sucht sich für die Blitz-Aktion besondere Schwerpunkte aus. Das können häufige Unfallstellen, aber auch Straßen vor Schulen oder Altersheimen sein.
Bild: picture alliance / HMB Media/ Heiko Becker
  • Nordrhein-Westfalen: Die Polizei NRW nahm an der geplanten Aktionswoche "Roadpol Speed" vom 13. bis 19. April teil, am Schwerpunkt-Tag ("Blitzermarathon") jedoch nicht.
  • Mecklenburg-Vorpommern: Im Nordosten Deutschlands führte die Polizei den gesamten Monat April hindurch verstärkt Tempokontrollen durch. Auf der Blitzerwoche liegt ein Schwerpunkt, und am 15. April – zum Speedmarathon – geben die Messgeräte alles. Wo sie stehen, wurde allerdings nicht vorher verraten – "vorrangig örtlich und zeitlich an Unfallhäufungsstellen", teilte das Innenministerium mit.
  • Rheinland-Pfalz: Auch in Rheinland-Pfalz machte die Polizei das volle Programm, also über die gesamte Blitzerwoche (13. bis 19. April) sowie den besonderen Schwerpunkttag "Blitzermarathon" am 15. April. Die Position der Messstellen blieb auch hier geheim.
  • Saarland: Das Saarland beteiligte sich NICHT am Blitzermarathon vom 13. bis 19. April 2026.
  • Sachsen: Die Polizei Sachsen beteiligte sich an der Kontrollwoche vom 13. bis 19. April. Beim Speedmarathon am 15. April machte sie aber nicht mit, die Kontrollintensität blieb gleich. Parallel dazu gibt es in Sachsen zum Schulanfang die Verkehrssicherheitsaktion "Blitz für Kids": Die Polizei blitzt vor Schulen, die Raser werden anschließend von den Schulkindern zur Rede gestellt. Die Aktion läuft noch bis 24. April.
  • Sachsen-Anhalt: Die Polizei nahm an der diesjährigen ersten Roadpol-Geschwindigkeitskontrollwoche teil. Zum Speedmarathon am 15. April 2026 wurde noch einmal zugelegt. Neben Handmessgeräten waren landesweit auch Großmessgeräte im Einsatz. Messstellen wurden von der Behörde nicht veröffentlicht.
  • Schleswig-Holstein: Die Polizei vom nördlichsten Bundesland nahm an der Blitzerwoche teil, ohne am 15. April, dem Blitzermarathon, die Kontrollen zusätzlich zu verstärken (seit 2016 ist das nicht mehr geschehen). Positionen der Messstellen wurden nicht veröffentlicht. Die Blitzer standen vor Schulen, Kitas, Krankenhäusern oder Pflegeheimen sowie allgemein an "Brennpunkten".
Was soll der Blitzermarathon? Die Ordnungshüter wollen mit der geballten Feuerkraft der Radar- und Laserfallen den Autofahrern bewusst machen, dass auf den Straßen nicht das Recht des Stärkeren (Motors) gilt. Aber: Wo ist der Lerneffekt? Geht es nicht darum, möglichst viele zu erwischen? Ich meine: Nein, genau in der Aufmerksamkeit liegt der Nutzen! Es geht ums Aufpassen. Der Blitzermarathon ist PR für die Straßenverkehrsordnung – zweimal im Jahr werden alle Kraftfahrer daran erinnert, dass die lebenswichtigen Temporegeln für alle gelten.